Fehlendes Kapitel

Beim Export meines Buches „Sie kommen in die Onkologie, in der anderen Abteilung ist kein Platz“ von mir als Autor „Reiner Diers“ ist ein Kapitel aus Versehen 2x enthalten, dafür fehlt ein Kapitel. Bitte verzeiht mir. Damit das Buch wieder einen Sinn ergibt, hier das fehlende Kapitel:

Daher muss ab Seite 42 bis Seite 51 durch folgenden Text ersetzt werden.

Hannover 2

Nach 5 Wochen musste ich noch einmal zur Kontrolle nach Hannover. Es würde nur ein kurzes Intermezzo, so dachten wir. Noch ahnten wir nicht, wie falsch wir liegen würden. In Hannover angekommen ging das gleiche Spiel los wie vorher: Der Kampf um ein freies Bett. Obgleich wir einen Termin hatten und vorher extra angerufen hatten, war nicht klar, ob jetzt ein Bett frei sei. Es hat aber geklappt und ich wurde aufgenommen. Während Dagmar wieder nach Hause fuhr, wurde ich nach meinem Genesungsfortschritt befragt. Und mir war klar, dass es wieder eine Nervenwasserentnahme geben würde. Und sie folgte am nächsten Tag. Diesmal leider von einem recht jungen, unerfahrenen Arzt. Ich setzte mich also wieder mit einem Katzenbuckel auf die Krankenliege und er startete seinen Versuch, mir die Nadel in den Rücken zu applizieren. Es tat extrem weh. Immer wieder berührte er meine Nerven, meine Beine zuckten elektrisiert. Nach einigen Minuten brach ich hab. Es ging einfach nicht mehr. Der ganze Körper schmerzte und ich war fix und fertig. Die Stationsärztin bestand aber auf den Test und so wurde ich am anderen Tag mit meinem Bett zu einem Spezialisten geschoben. Man kann die Entnahme auch unter Röntgen machen. Der Arzt probierte aber zuerst die manuelle Entnahme, was auch tatsächlich klappte. Trotzdem war es wieder sehr schmerzhaft. Ich wurde wieder in den Vorraum geschoben und erlebte die erste stärkere Wirkung der Enzephalitis: eine Halluzination. Die fest in Beton eingemauerte Lampe über mir bewegte sich plötzlich. Es war nur eine kurze Halluzination, erschrak mich aber doch etwas. Vielleicht durch den Eingriff, vielleicht durch die emotionale Belastung, auf jeden Fall ging es mir jetzt deutlich schlechter als zuvor. Trotzdem versuchte ich, regelmäßig Spaziergänge zu machen. Ich bekam auch wieder Kortison. Am nächsten Tag mussten sowohl mein Bettnachbar Frank, als auch ich, zur EEG. Ich erinnerte mich an die vorherige Untersuchung mit der unfreundlichen Ärztin. Ob die mich wieder behandeln würde? Zuerst mussten wir dort hinkommen. Die Schwester gab uns die Wegbeschreibung und ein Schnellhefter mit unseren Krankenakten darin mit. Die Wegbeschreibung war abenteuerlich und der Weg dorthin glich einer Expedition. Frank beichtete mir später nach der Behandlung, dass er den Weg alleine nicht gefunden hätte. Ich freute mich über diese Aussage, denn ich hatte ja noch keine Ahnung, wie weit mein Gehirn beeinträchtigt sein würde. Auch beschwerte er sich über die Dame beim EEG, die auch diesmal wieder zur Höchstform auflief und sowohl die Kopfnadeln, als auch den Strom mit schmerzender Kraft wirken lies. Aufgrund meiner Depression rieten mir die Ärzte zu einem Gespräch mit dem Psychiater, was ich gerne annahm. Leider war er sehr jung und unerfahren. Er begann sein Therapiegespräch in unserem Doppelzimmer, in dem mein Bettnachbar gerade nach dem Duschen nackt hereinkam und in diesem Zustand neben uns herumwirbelte. Ich unterbrach meinen Redefluss nach seiner Frage zu meinem Befinden und fragte nach einem gesonderten Raum. Statt einer Antwort auf meine Frage nickte er mir weiter zu, als hätte ich weiter von meinem Zustand gesprochen. Er hörte mir also gar nicht zu. Er organisierte nach einigem Zögern dann doch einen Raum, aber ein Vertrauensverhältnis konnte er natürlich nicht mehr aufbauen. Ein weiterer Psychologe lud mich und später auch meinen Bettnachbar zu einem Test ein. Dabei ging es darum, an einem Bildschirm Farben, Formen und Worte zu erkennen. Der schwerste Teil bestand aus Farbwörtern, die Textfarbe war nicht in der gleichen Farben wie das Wort. Hier hatte ich Defizite. Frank gab an dieser Stelle bereits komplett auf.

Nach einigen Tagen kam ein neuer Bettnachbar. Sehr kräftig und konnte wegen seines Schlaganfalles nicht sprechen. Dafür hörte er laut Volksmusik. Ich konnte ihn zum Glück davon überzeugen die Lautstärke zu reduzieren. Er schaltete das Gerät dann zum Glück ganz ab. Da wir in einem Zweibettzimmer waren und er nicht reden konnte, war ich quasi isoliert. Zum Glück besuchte mich mein Freund Boris, der in der Nähe wohnte. Ich hatte erst später festgestellt, dass er tatsächlich eine sehr weite Anreise auf sich genommen hatte. Seine Besuche taten mir sehr gut. Man vereinsamt doch sehr. Die Ärzte wollten mich gerne über die Weihnachtsfeiertage dabehalten. Da ich bereits jetzt unter der Einsamkeit mit meinem sprachlosen Zimmernachbar litt, und auch Dagmar bereits so lange alleine war, wollten wir dies unbedingt vermeiden. Schließlich litt unsere emotionale Gesundheit bereits sehr, hatten wir doch inzwischen wirklich viel durchgemacht. Ich klärte daher, ob und wie ich nach Hause könne. Die Ärzte waren nicht glücklich, willigten aber ein. Die Ergebnisse der Untersuchungen trudelten auch nur langsam ein, und nur zum Warten brauchte ich dort nicht übernachten. Am Tag vor Heiligabend holte mich Dagmar ab. Vorher musste ich noch einmal zum MRT. Ich merkte, dass mein Tinnitus wieder stärker wurde. Aber nicht schlimm. Bestimmt von der Aufregung, wieder nach Hause zu kommen.

Dagmar fuhr uns nach Hause. Wir freuten uns sehr auf die Zeit, die jetzt folgen würde. Dagmar machte den Hofladen zu, und wir planten viele Spaziergänge, um wieder in die Spur zu kommen. Am nächsten Tag bereits brummte mein Schädel. Als würde ich meinen Kopf gegen das Dieselaggregat der Weserfähre bei voller Fahrt halten. Wir zögerten noch eine Weile, sicherlich bessert sich das bald wieder. Wir machten uns so weit wie möglich einen schönen Tag, schließlich ist Weihnachten. Ich legte mich ins Bett und Dagmar saß auf dem neu erworbenen Sitzsack. Im Schlafzimmer haben wir auch unseren Fernseher. Nachdem wir jahrelang gar kein TV Gerät besaßen, haben wir uns vor einem Jahr endlich ein solches Gerät zugelegt. Einschließlich Netflix, und somit genossen wir den Weihnachtstag mit der Serie „Atypical“. Auch den Film „Feuer im Kopf“ schauten wir uns an. Hierin geht es um ein Mädchen mit einer Gehirnentzündung, die ähnliches erlebte wie ich gerade. Bei ihr liefen die Symptome jedoch anders, insbesondere schneller ab.

Später am Abend wurde das Brummen im Kopf immer schlimmer. Meine Atembeschwerden wurden ebenfalls stärker. Ich fing an, aktiv atmen und bekam die Angst zu ersticken, wenn ich nicht ans Atmen denken werde. Ein paar mal vergas ich dann auch tatsächlich zu atmen. Dazu entwickelte sich eine Depression, die mir eine Todesangst bereitete. Dagmar bemerkte meine Angst und fragte mich mehrfach, ob sie mich zurückfahren solle. Als ich zustimmte bat, stöhnte sie erleichtert auf. Sie erkannte meinen Zustand und machte sich starke Sorgen. Sofort packte sie meine Koffer, legte mich auf die Rücksitzbank und fuhr mich nach Hannover. Dort angekommen ging es direkt zur Notaufnahme, in der Hoffnung, dort auch aufgenommen zu werden. Es war leider nicht möglich, direkt wieder in mein vorheriges Zimmer zu gelangen, sondern vorab musste ich erneut untersucht werden. Wir haben etwa zwei Stunden gewartet. Bereits nach einer Stunde war ich zu schwach zum sitzen und fragte nach einer Liege, die mir der Notarzt auch gewährte. Obgleich es Weihnachten war, trudelten etliche Notfälle neben mir ein. Nach einiger Zeit wurde ich in ein Behandlungszimmer gerufen. Auch hier mussten wir noch warten, bis schließlich ein Arzt mich untersuchte. Aufgrund meiner Symptome hatte man einen Neurologen gerufen, welche sich viel Zeit für mich nahm. Er wusste mich zu beruhigen, denn ich war total am Boden, immer wieder unterbrachen unkontrollierbare Weinkrämpfe meinen Redefluss. Ich erzählte noch einmal meinen gesamten Krankheitsverlauf, insbesondere die Sache mit den Borrelien. Er war sich sicher, dass dieses auch bei mir untersucht wurde, schrieb aber trotzdem eine Notiz in meine Krankenakte. Auf der Bahre liegend wurde ich dann von einem jungen Transporteur in die Station gefahren. Er unterhielt sich mit uns, und seine Stimme vermischte sich in besonderer Weise mit meinem immer noch starken Kopfgeräuschen. Dadurch klang seine Sprache blechern. Ich sagte zu Dagmar:“Er spricht mit einer Roboterstimme“, damit sie sich seine Stimmlage anhören und mir sagen konnte, ob sie ihn normal hörte. Ich hatte damit gerechnet, dass er häufig Patienten mit komischen Aussagen trifft, insbesondere in der Neurologie sind häufiger spezielle Patienten zugegen. Dagmar sagte mir später, dass er wohl sehr erschrocken und verängstigt auf meine Aussage reagiert habe.

In der Station der Neurologie angekommen, mussten wir ebenfalls wieder warten, da der gesamte Papierkram erneut ausgefüllt werden muss. Dagmar ist gegen 2 Uhr nach Hause gefahren. Ich kam dann mit meinem dröhnenden Kopf in das selbe Zimmer wie einen Tag zuvor. Der Bettnachbar war der gleiche. Da er alleine war, hatte er sein Radio laut gestellt, während er selber schlief. Ich bat die Krankenschwester sein Radio auszuschalten, was sie auch tat. Zu meinem brummenden Kopf tat jedes zusätzliche Geräusch weh und schlafen war sowieso ein für mich schwieriges Unterfangen. Für den Bettnachbar leider auch, und so starte er nach kurzer Zeit ein nächtliches Programm, was aus regelmäßigen Aufstehen bestand. Etwa alle 15 Minuten stand er lautstark auf und startete zu einem Spaziergang, womit ein Einschlafen für mich unmöglich wurde. Ich wies ihn drauf hin, dass das für mich ein Problem ist. „Nichts darf ich, auch Radio hören hast Du mir verboten“ erwiderte er wie ein kleines Kind. Ich beschwichtigte, dass er natürlich Radio hören durfte, dass kann und will ich ihm doch gar nicht verbieten. Fortan hörte er den ganzen Tag Radio. Das wäre weiter nicht schlimm, wäre es nicht wieder der grausame Volksmusik- und Radiosender. Die nächtlichen Spaziergänge blieben leider auch. An seiner kindlichen Reaktion merkte ich, dass er neben seinen Schlaganfall wohl auch schon vorher Herausforderungen hatte. Später fand ich heraus, dass er gewisse geistige Behinderungen hatte. Somit hatte ich die folgende Zeit keinen Gesprächspartner. Mir war zwar sowieso nicht sonderlich zum Reden zumute, aber ganz ohne Konversation ist es doch einsam.

An den nächsten beiden Tagen war aufgrund der Feiertage kaum jemand anderes zu sehen. Nur die Schwestern betraten kurz das Zimmer, um Blutdruck zu messen oder Essen zu bringen. Ich versuchte ein wenig, dem Zimmernachbar das Sprechen wieder beizubringen. Anfangs wurde es etwas besser, aber er scheint weniger gesprächig als ich. Zwischendurch bekam er Besuch, es schien sich um seine Betreuerin und einen Freund zu handeln. Viele Worte bekamen auch sie nicht aus ihm heraus. Nach den Feiertagen gab es wieder eine Visite mit der Oberärztin, die mir Pregabalin gegen Nervenschmerzen verordnete. Langsam ging es mir wieder besser. Auch konnte ich wieder besser laufen und machte kleine Spaziergänge. Leider hatte ich in der eiligen Abfahrt meinen Gürtel zu Hause vergessen, so dass ich während des Gehens immer meine Hose halten musste. Aufgrund der Feiertage hatten die Geschäfte in der Einkaufsmeile geschlossen. Ich überlegte, einen Infusionsschlauch zu nutzen, aber die Schwestern hatten sie gleich wieder weggeräumt. Ein passendes Kabel konnte ich auch nirgends finden. Zum Glück hatte mein Schwager Axel seinen Besuch angekündigt und so konnte er mir leihweise einen Gürtel mitbringen. Auf seinem Besuch haben wir einen sehr langen Spaziergang über das Gelände gemacht. In den nächsten Tagen ging es mir immer besser und auch mein Freund Boris besuchte mich des öfteren. Das freute mich sehr. Er ist ebenfalls Techniker und so konnten wir uns viel und lange über historische Computer, Strahlenkanonen und Sport für Nerds unterhalten. Auch konnte er mich beruhigen, nachdem die Ärztin von einer Gehirnbiopsie sprach. Bisher taten die Untersuchungen maximal stark weh, aber sie hinterließen keine bleibenden Schäden. Aber ein Loch im Schädel war nun gar nicht meine Sache. Schlussendlich entfiel diese Untersuchung zum Glück. Die junge Ärztin, die zur Visite erschien, fragte mich nach Zahnschmerzen. Ich fiel aus allen Wolken. Natürlich, Zähne. Am Tag nach dem Treffen hatte ich Zahnschmerzen, die zu Zahnbluten führten. Ich war sogar vor 2 Monaten bei meinem Zahnarzt, der meine Bedenken aber nicht teilte. Sollte eine stille Entzündung all dies verursacht haben? Die Ärztin sagte, sie wisse nicht, ob die Oberärztin hinter dieser Diagnose stehe. Tags darauf kam Dagmar und zusammen mit der Ärztin besprachen wir die nächsten Schritte. Es waren noch immer nicht alle Ergebnisse da, aber insgesamt gab es eine gute Diagnose. Mein Gehirn war nicht betroffen und sie deutete an, dass alles wieder gut wird. Nach dem Wochenende komme ich zum Zahnarzt und ein weiteres MRT die Gehirnbiopsie war komplett vom Tisch. Ob ich jemals wieder arbeiten können werde blieb offen, aber ich werde nicht sterben. Und es wird sich wohl auch nicht verschlimmern. Damit kann ich leben. Mein Leben fühlte sich auf einmal wieder gut an. Ich werde bald entlassen. Dagmar fuhr wieder nach Hause und ich verblieb mit dem stummen Bettnachbarn in Hannover. Abends kam die Ärztin noch einmal herein. Sie stellte sich vor mir auf, so dass klar war, das es große Neuigkeiten gibt. Ihre Nachricht überraschte mich tatsächlich: im Makrolabor wurden Borrelien gefunden. Ich war baff. Ich habe eine Neuroborreliose. Mein Hausarzt hatte also von vornherein Recht. Die Ärzte in Bremerhaven haben komplett versagt? Ich hätte schon längst gesund sein können? Ich kann wieder komplett gesund werden? Plötzlich änderte sich alles! Die Ärztin legte mir sofort einen Zugang und ich bekam die erste Infusion mit 2 Gramm Ceftriaxon. Ich fragte, ob ich die folgenden 14 Tage der Infusionen beim Hausarzt machen lassen könne, zu dem sie zustimmte. Das solle sicherlich gehen. Ich versuchte sofort Dagmar von dieser tollen Nachricht zu erzählen, war voller Glück. Leider konnte ich Dagmar nicht erreichen. Ich war voller Aufregung und musste diese Neuigkeiten unbedingt jemanden mitteilen. Ich versuchte sogar, den stummen Bettnachbarn davon zu erzählen, schließlich hatte ich ihm in den letzten Tagen auch immer versucht, Mut zu machen. Allerdings kam von ihm nur ein leichtes Nicken. „Freu Dich doch mal für mich“ fuhr ich ihn an. Er versuchte krampfhaft seine Mundwinkel zu einem Lächeln zu bewegen, doch der Versuch endete in einer Grimasse. Ich schrieb mit dem Handy allen Freunden und Verwandten von dieser Nachricht. Und nach einiger Zeit trudelten dann Glückwünsche zur wahrscheinlichen Genesung ein. Später erreichte ich endlich Dagmar, und wir sprachen lange über die neue, gewonnene Zukunft. Die nahe Zukunft war vorab hingegen unklar. Ich muss jetzt 2 Wochen lang jeden Tag eine Infusion bekommen. Erstens wusste ich aus diversen Foren, dass bei so langer Krankheitsdauer das Antibiotika besser 3 Wochen lang gegeben werden soll. Und vor allem möchte ich extrem ungern 3 Wochen 200 km entfernt von zu Hause im Krankenhaus liegen, nur um 15 Minuten am Tag die Infusionen zu bekommen. Ich war nun 3 Wochen am Stück hier, und das allein ist schon sehr unangenehm. Keine sozialen Kontakte, keine Möglichkeit für einen gemeinsamen Spaziergang, gar nichts. Ich würde eingehen. Ich muss also organisieren, dass ich die Infusionen beim Hausarzt bekomme kann. Aber wie funktioniert das am Wochenende? Wonach muss ich im Internet suchen? Ich sprach sofort die Krankenschwester an, die allerdings leicht genervt war. „Besprechen Sie das am Montag mit dem Arzt“ sagte Sie. Nun wusste ich, dass ich den Arzt am Montag nur 5 Minuten sehen werde, und wenn ich ihn dann nicht überreden kann, ist er wieder weg. Und dann bin ich mindestens noch über Silvester hier. Die folgenden Jahresendfeiertage liegen nämlich so, dass ich meinen Hausarzt erst in 5 Tagen erreichen kann. Zusätzlich ist der alte Hausarzt vor 5 Tagen in den Ruhestand gegangen. Mit Pech bin ich dann noch über eine Woche hier. Ich muss dem Stationsarzt also einen wasserdichten Plan vorzeigen können. Ich fragte die Krankenschwester also nochmal, worauf die noch genervter als vorher reagierte. Aber sie sagte dabei das Wort „Ambulant“. Mir fehlten ja immer noch Worte durch die so genannten Wortfindungsschwierigkeiten meiner Krankheit, und eben dieses Wort fehlte mir für eine erfolgreiche Internetsuche. Dort fand ich auch die Lösung in Form der Notfallpraxen. Mir war nie bewusst, wie die Wochenendversorgung von Kranken funktioniert, bisher benötigte ich so etwas ja auch noch nie. Und dass die Telefonnummer 116117 dafür geeignet ist. Trotzdem brauchte es noch einige Telefonate, um herauszufinden, an wen ich mich denn wenden muss und wie ich an die Antibiotika komme. Denn dieses muss man selber mitbringen. Mein Hausarzt hat ja noch zu, und so muss ich die ersten Flaschen von hier aus dem Krankenhaus mitbekommen. Da ich die Telefonate aus Hannover führte, konnte ich nicht mit der korrekten Notfallpraxis verbunden werden. Denn dazu wird die Telefonnummer oder der jeweilige Handystandort automatisch verwendet. Aber zumindest hatte ich einen Plan.

Am Montag war dann wieder Visite. Der Stationsarzt kam mit seiner Gefolgschaft herein und erörterte mir noch einmal die Diagnose und wie schwer sie zu finden war. Ich äußerte dafür Verständnis und sagte, dass sie in Bremerhaven bereits Schwierigkeiten hatten die Borreliosezu finden. Plötzlich versteinerten seine Gesichtszüge. Hatte er ein schlechtes Gewissen? Später schloss ich daraus, dass sie die Borreliose tatsächlich übersehen hatten und erst durch das Gespräch mit dem Notarzt zu Weihnachten, brachten den Stein wieder ins Rollen. Ich fragte natürlich gleich auch nach einer 3-wöchigen statt zweiwöchigen Antibiotikagabe, der er anstandslos zustimmte. Schwieriger war er zur ambulanten Infusion zu überreden. Erst als ich ihm glaubhaft davon überzeugen konnte, dass ich die nahtlose und zeitgleiche Infusionsgabe sicherstellen kann, erlaubte er mir nach etwas Verhandlung, übermorgen nach Hause zu gehen. Es lief also so, wie ich es mir gedacht hatte, ohne konkreten Plan hätte ich noch weitere Wochen im Krankenhaus bleiben müssen. Ich sprach mit dem Arzt noch ein wenig über den Verlauf meiner Krankheit und lies dabei nicht die Probleme der Fehldiagnose in Bremerhaven aus. Dabei bemerkte ich seine eigenartige Reaktion. Seine Mundwinkel gingen abwärts, so als ob ich ein unangenehmes Thema angesprochen hätte. Ich weiß bis heute nicht, ob er sich für die Kollegen schämte oder ob er sich angesprochen fühlte, weil in Hannover ebenfalls lange keine richtige Diagnose gefunden wurde.

Einen Tag später gab es eine letzte Infusion, ein letztes Frühstück und ein letzes Mal Warten auf den Arztbrief. Dieses Mal musste ich auch noch auf die Medikamente für die nächsten beiden Infusionen warten. Als Dagmar mich abgeholte waren meine Koffer bereits gepackt. Für den Arzt und die Schwestern hatten wir wie jedesmal ein Geschenk mitgebracht, für die Schwestern bestand es zumeist aus etwas Bargeld. Ein letzes Mal ging es zum Fahrstuhl, den Fahrstuhl herunter und den langen Gang an den Geschäften entlang zurück durch den Haupteingang. Dagmar trug meine Koffer über den Parkplatz zum Auto und in freudigem Sonnenschein fuhren wir den zweistündigen Weg über die Autobahn zurück nach Hause. Der Weg über die Autobahn war besonders. Die Straßen waren leer und wir konnten unsere Glück noch immer kaum fassen. Erstmals ist eine Heilung in Sicht.

Lange nix passiert

Hier im Blog ist es sehr ruhig geworden. Das hat gesundheitliche Gründe. Es wird wieder weitergehen, ich bitte um ein wenig Geduld.

HT? KG? Da war doch was

Beim zuschütten der Abwasserrohre mit Schaumglas  ist mir etwas aufgefallen. Die Abwasserrohre hatte ich als KG ausgeführt. Nun liegen sie aber in der Isolierung. Und zwar sehr nah an der Verbrauchsstelle. Also kommt das KG Rohr noch mit sehr heißem Wasser in Berührung, wofür es gar nicht geschaffen ist. Daher nimmt man KG nur ab da, wo die Umgebung aus Erde oder Beton besteht, welchen die Wärme gut abführt. Isolierung ist hingegen, wie der Name schon sagt, sehr gut Isolieren.

Also die Rohre noch mal raus und durch HT-Rohre ausgetauscht.

Draußen die Feuchtesperre

Wenn man drinnen nicht weiterweiß, macht man erstmal draußen weiter. In diesem Fall ist es die Feuchtesperre draußen am Sockel. Dort kommt eine Noppenfolie drauf, die das Wasser abhält. Hilft alles ein wenig mit.

Zuerst ein Probeloch und ein Probestück, um zu gucken, wie es denn so aussieht. Und es sieht gut aus. Schöne gerade Wand, alles chic. Was soll da noch unerwartetes kommen?

Isolierung im Sockelbereich

Langsam kommt nun endlich die Isolierung im Sockel zum tragen. Dazu werden XPS Platten mit Bitumen aufgetragen. Bitumen in der 2K Version ist für den Innenraum geeignet und wichtig, damit kein Hohlraum entsteht.

Nun ist ein Altbau nix mit graden Wänden. Und es gefällt mir alles gar nicht.

Wassersperre

Und erneut wird eine Wand mit Sperrputz versehen. Erstmal nur ein kleines Stück, um zu gucken, wie gut es an der Stelle geht.